Winterfutter in der Bienenkugel: Die Hälfte ist genug
- vor 2 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 11 Stunden
Mitte bis Ende August befinden wir uns phänologisch im Spätsommer, der den Übergang vom Hochsommer zum Frühherbst markiert. Auch wenn im Spätsommer oft noch heiße und sommerliche Temperaturen herrschen, hat die Vorbereitung auf den Winter im Bienenvolk längst begonnen. Seit der Sommersonnenwende am 21. Juni verändern sich die Völker sichtbar: Die Zahl der Brutzellen nimmt ab und die Bienen legen zunehmend Futter rund um das Brutnest an. Das heißt die Brutflächen werden kleiner und die Honigkränze größer.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: Mit dem Rückgang der Brut verringert sich auch die Zahl der Arbeitsbienen, die Nektar eintragen und Wintervorräte anlegen können. In trockenen Jahren ist das bei uns heute ohnehin ganzjährig geringe Trachtangebot noch schlechter. Imker müssen deshalb rechtzeitig kontrollieren, ob ausreichend Futter vorhanden ist. Denn die ab August gestifteten Bienen werden zu langlebigen Winterbienen, die im Frühjahr die erste Brut versorgen werden. Deshalb ist es wichtig, dass jetzt kein Futtermangel herrscht und die Ammenbienen gut ernährt sind, um für sich und die Brut ein gutes Futterpolster anlegen zu können.
Zusätzlich muss der Imker immer die Natur beobachten und seine Strategie danach anpassen. Mit der derzeitigen Hitze und Trockenheit liefern die jetzt noch blühenden Blüten, anders als in kühleren und regnerischen Sommern, oft kaum oder keinen Nektar. Dieser Trachtmangel muss zusätzlich eingefüttert werden.
Einfüttern in Magazinbeuten: das klassische Vorgehen
In der klassischen Magazinimkerei gehört das Einfüttern nach der Honigernte zur wichtigsten Arbeit im Spätsommer. Je nach Beutensystem erhalten die Völker zwischen 15 und 20 Kilogramm Winterfutter, meist in mehreren Etappen: Nach dem Abschleudern Ende Mai, Anfang Juni werden die Völker angefüttert, im August erfolgt die eigentliche Auffütterung und im September kann noch einmal kontrolliert und nachgefüttert werden. Bis Mitte September sollte die Einfütterung dann beendet sein.
Das schrittweise Vorgehen hat einen guten Grund: Es gibt den Bienen Zeit, das Futter nach und nach einzulagern und so umzutragen, so dass genug Raum für die Brut bleibt. Werden die Bienen zu früh oder zu schnell zu viel gefüttert, kann das Brutnest mit dem Futter zu stark eingeengt werden. Denn Bienen sind gierig und nehmen alles, was sie bekommen. Der Königin fehlt dann oft der Platz für die Eiablage. Gleichzeitig darf aber auch nicht zu wenig Futter im Volk sein. Ein Futtermangel im Winter, vor allem aber im Frühjahr, wenn die Eilage und Brutpflege wieder beginnt, und die Bienen eigentlich erst jetzt den größten Teil des Vorrats benötigen, kann dann schnell existenzbedrohend werden.
Die Bienenkugel spart Futter und Zeit
Bei der Bienenkugel unterscheidet sich der Futterbedarf deutlich von dem in klassischen Magazinbeuten. Unser Vergleich über die letzten Jahre zeigt: Während zweizargige Magazinvölker häufig 18 bis 22 Kilogramm Winterfutter benötigen, liegt der Verbrauch bei Völkern, die in der Bienenkugel gehalten werden, um etwa 50 Prozent niedriger. In der Regel sind Bienenkugelvölker mit ausgeprägten Futterkränzen um die Brutflächen mit genug Vorrat ausgestattet, um ins Frühjahr zu kommen. Der geringere Energieverbrauch durch die runde Bauweise und die feuchtigkeitsregulierende Wärmedämmung wird jetzt bei Winterfutter besonders auffällig. Wer das Imkern in Magazinbeuten gewohnt ist, wird eine deutliche Einsparung bei der Futtermenge sehen und somit auch der aufgewendeten der Arbeitszeit bemerken.
Der Futterbedarf richtet sich nach der Zahl der besetzten Rundrahmen
Als Faustregel für die Futtermenge gilt: Pro besetztem Rundrahmen sollten etwa 1 bis 1,5 Kilogramm Honig oder Winterfutter als Futterkranz vorhanden sein. Ein Volk mit sechs besetzten Rundrahmen benötigt demnach zwischen sechs und neun Kilogramm Vorrat. Bei acht besetzten Rundrahmen sollten acht bis zwölf Kilogramm eingelagert sein.
Die Tabelle unten zeigt, wie sich der notwendige Wintervorrat anhand der Zahl der besetzten Rundrahmen einschätzen lässt. Sie dient als praktische Orientierungshilfe bei der Futterkontrolle und erleichtert die Entscheidung, ob noch einmal nachgefüttert werden muss.
Ermittlung des Futterbedarfs für den Winter
Besetzte Rundrahmen | Futterbedarf in kg |
4 | 4 bis 6 |
5 | 5 bis 7,5 |
6 | 6 bis 9 |
7 | 7 bis 10,5 |
8 | 8 bis 12 |
Futtervorrat wiegen
Um ein Gefühl dafür zu entwickelt, wie man den Futtervorrat bei der Durchsicht der Rundrahmen direkt abschätzen kann, hilft es, zunächst die einzelnen besetzten Rundrahmen nacheinander zu wiegen. Dazu wird ein Rundrahmen entnommen und entweder an einer Federwaage aufgehängt oder vorsichtig mit beiden Händen auf eine Haushaltswaage gestellt. Vom ermittelten Gesamtgewicht werden anschließend das Leergewicht des Rahmens (120 Gramm) sowie etwa 80 Gramm für Wachs und Bienen abgezogen.
Als Anfänger mit der Bienenkugel wiederholt man den Vorgang bei allen besetzten Rahmen. Anschließend werden die einzelnen Werte addiert. Mit der Zeit wird man auch ohne Wiegen recht zuverlässig einschätzen können, wieviel Futtervorrat vorhanden ist, wenn man die Waben durchschaut.
Der Grundgedanke beim Füttern ist derselbe wie bei Magazinimkerei: Nicht die Menge des gegebenen Futters ist entscheidend, sondern die Menge des tatsächlich in den Waben lagernden Wintervorrats. Deshalb ist es wichtig, den schon vorhandene Futtervorrat zu kennen, bevor zusätzliche Futtergaben erfolgen.

Um ein Gefühl für die Futtermengen zu bekommen, wiegt man alle Rahmen nacheinander, z.B. auf einer digtalen Haushaltswaage.

Das Leergewicht der Rahmen beträgt ca.120g oder180 g bis 200 g mit Mittelwand und ggf. Bienen.
Nachfüttern: rechtzeitig, aber mit Bedacht
Stellt sich bei der Kontrolle heraus, dass die Vorräte nicht ausreichen, sollte auch bei der Bienenkugel nachgefüttert werden. Besonders in Jahren wie diesem, mit viel Trockenheit, sind die natürlichen Nektarquellen oft erschöpft. Ideal ist die Fütterung mit eigenem, aus den Waben gewonnenem Honig. Dieser kann bei Bedarf mit etwas Wasser vermischt werden. Steht kein eigener Honig zur Verfügung, können natürlich auch Flüssigfutter oder Futterteig verwendet werden.
Wichtig ist auch die richtige Tageszeit. Futtergaben sollten möglichst morgens oder abends erfolgen. Verschüttetes Futter sollte unbedingt vermieden werden, da es Räuberei auslösen kann. Gerade im Spätsommer können starke Völker, Wespen und Hornissen schwächere Bienenvölker erheblich unter Druck setzen und ausrauben.
Insgesamt muss man aufpassen, den Zeitpunkt für die letzte Einfütterung nicht zu verpassen. Ist es zu kalt und die Bienenmasse zu gering, kann nicht mehr eingefüttert werden, die Bienen das Futter nicht mehr abnehmen können.
Beschäftigung fördern, Verhonigen vermeiden
Gerade die Bienenkugel Pro 3.0 mit 10 oder 20 Rundrähmchen bietet gegenüber klassischen Magazinbeuten für die Fütterung einen weiteren Vorteil: Das System lässt sich bei Bedarf flexibel zu den Seiten umbauen oder erweitern. Das ist im Spätsommer aus zwei Gründen wichtig:
Zum einen müssen Bienen beschäftigt werden. Denn: Arbeitslose Flugbienen werden oft vom Bienenvolk reduziert und das Bienenvolk schwächer. Sind bereits ausreichend Wintervorräte vorhanden, kann eine verdeckelte Honigwabe leicht angeritzt und hinter das Wärmeschied gehängt werden. Die Bienen sind dann mit dem Umtragen des Honigs beschäftigt. Diese zusätzliche Arbeit kann dazu beitragen, die Zahl der Flugbienen im Volk zu erhalten. Anders als in Magazinbeuten haben die Bienen schon durch die Futterkränze um die Brutflächen genug Vorrat um bis ins Frühjahr zu kommen. Ganze Futterrahmen sind tatsächlicher Überschuss, der nicht unbedingt benötigt wird. Er kann entnommen oder zur Beschäftigung eingesetzt werden.

Bienen beschäftigen
Das Umhängen der Waben hinter das Wärmeschied und Aufritzen der Wachsdeckel hält die Bienen mit Umtragen beschäftigt und verhindert, dass sie frühzeitig "ausgemustert" werden und so die Bienenmasse zu früh abnimmt.
Zum anderen gilt es eine „Verhonigung“ der Brutzellen zu vermeiden, und der Königin immer genug Raum zu geben, um weiterhin Eier zu legen. Werden bei einer unerwarteten Spättracht freie Brutzellen mit Futter gefüllt, sodass die Königin nicht mehr genügend Platz für die Eiablage findet, schwächt das ebenfalls die Volksstärke. In fertig eingefütterten Magazinbeuten ist meist kein Platz mehr, wenn eine Spättracht einsetzt. Zu Not muss man dann einen Honigraum einsetzen, was aber das Mikroklima der Bienen beeinträchtigt. Da im Herbst die Temperaturen in der Nacht schon deutlich absinken, müssen sie mehr heizen, wenn die warme Luft nach oben in den unbesetzten Honigraum steigt. Einen ähnlichen Effekt haben wir im Frühjahr, wenn zu früh Honigräume aufgesetzt werden und die Nächte noch zu kühl sind.
Das Winterfutter ist fürs Frühjahr
Grundsätzlich gilt: Was ich heute einfüttere, brauchen die Bienen hauptsächlich im Frühjahr, wenn die Königin wieder beginnt, Eier zu legen. D.h. heißt, dass sich Fehler jetzt, meist erst im Frühjahr bemerkbar machen. Wer zu wenig oder zu spät eingefüttert hat, muss also daran denken, im Frühjahr zeitig die Vorräte zu überprüfen und dann im Januar oder Februar bei Bedarf noch einmal notzufüttern. An milden Tagen mit 10 bis 12 Grad oder bei Sonnenschein kann man die Völker öffnen und den Futterbedarf prüfen. Am besten füttert man jetzt mit Futterteig oder hängt überschüssige Futterwaben aus dem Herbst oder von starken Völkern nahe dem Brutnest ein. Auch Invertsirup kann mit einer Warréfuttertasche, die in einen Rundrahmen befestigt wird, gegeben werden.




