Jetzt Grundlage für gesunde Winterbienen schaffen
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Varroabehandlung im Juli und August
Die Honigernte ist vielerorts abgeschlossen. Frühjahr und Frühsommer 2026 waren geprägt von teilweise ungewöhnlich hohen Temperaturen und regional langen Trockenphasen. Viele Massentrachten blühten früher, wie die Linde die oftmals schon Anfang Juni, in einigen Regionen sogar schon ab Mitte Mai in voller Blüte stand – und endeten oft auch früher als gewohnt, wie die Kastanie. Gleichzeitig fehlen in vielen Landschaften heute die einst selbstverständlichen Sommertrachten. Wo früher Disteln, Wasserdost oder andere Wildkräuter reichlich Nektar und Pollen boten, herrscht inzwischen oft Trachtlücke. Wer nicht wandert, sollte deshalb nach der Honigernte rechtzeitig mit der Auffütterung beginnen oder den Bienen ausreichend Futtervorräte von etwa sechs bis zehn Kilogramm belassen.
Mehr Varroadruck ab der Sommersonnenwende
Nach der Sommersonnenwende im Juni entwickelt sich die Varroamilbe besonders dynamisch. Während die Bruttätigkeit der Bienenvölker zum Herbst hin abnimmt und die Völker allmählich kleiner werden, nimmt die Milbenpopulation weiter zu. Ohne rechtzeitige Behandlung werden die ab August schlüpfenden Winterbienen bereits während ihrer Entwicklung durch die Milben und die von ihnen übertragenen Viren geschädigt. Deshalb sollte grundsätzlich unmittelbar nach der letzten Honigernte zunächst der Befallsgrad kontrolliert und anschließend behandelt werden.
Weniger Varroadruck in der Bienenkugel
Bevor wir auf die Behandlungspraxis in der Bienenkugel eingehen, noch ein paar grundsätzliche Gedanken zum Varroadruck auf die Bienenvölker und warum wir glauben, dass der Einsatz der Bienenkugel diesen Druck und den Befallsgrad bereits erheblich senken kann. Der Einsatz von Behandlungsmitteln ist wirksam, um vorhandene Milben abzutöten und dadurch den vorhandenen Varroadruck zu senken. Wie bei den meisten Medikamenten, ist dies jedoch nur eine symptomatische Behandlung, d.h. die Ursachen für eine steigende Milbenzahl werden hierbei nicht angegangen. Ursachen, die die Entwicklung der Milbe beeinflussen, sind jedoch aus Studien weitgehend bekannt. Versuche konnten u.a. zeigen, dass die Fruchtbarkeit und damit die Anzahl der Nachkommen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Stock beeinflusst wird.
Zur Studie von Peter Schweizer: Klimatische Faktoren beeinflussen die Reproduktion der Varroa, Schweizerische Bienen-Zeitung, Ausgabe 11/2015, S. 15
Andere Faktoren sind etwa Reinvasion, mangelhafte Behandlung oder Nahrungsmangel (s. Grafik unten). Zwei dieser Faktoren können mit Einsatz der Bienenkugel deutlich verbessert werden: Brutnesttemperatur und Luftfeuchtigkeit.

Bessere Wärmekonstanz in der Bienenkugel hilft beim Varroa- und Energiemanagement
Das Temperaturoptimum für die Entwicklung der Varroamilbe liegt zwischen 32,5 und 33,4°C, also etwas unterhalb der Brutnesttemperatur. Die Reproduktionsrate der Milbe steigt bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 40% bis 70% an. Das Varroamilbenweibchen legt alle 25-30 Stunden ein Ei. All dies bedeutet, dass sich bei kühlerem Brutnest und länger verdeckten Zellen und bei höherer Luftfeuchtigkeit auch mehr Milben entwickeln können. Gibt es also viele unterkühlte Brutzellen, kann das die Varroapopulation fördern.
Gerade in Hitzeperioden, wie in diesem Sommer 2026, lohnt sich ein genauerer Blick auf das Stockklima. Stehen Magazinbeuten den ganzen Tag in der Sonne, steigt auch die Innentemperatur oft über 35 °C an. Dann müssen die Bienen erhebliche Mengen an Wasser eintragen, um durch Verdunstungskälte die Brutnesttemperatur von etwa 35 °C konstant zu halten. Dieser Kühlaufwand kostet auch Energie, d. h. Honig bzw. Futter, und er bindet viele Sammelbienen.
Gleichzeitig fordern kühle Nächte mit hohen Temperaturunterschieden zum Tag das Wärme- und Feuchtigkeitsmanagement der Bienen zusätzlich: Gerade die Ecken und Kanten herkömmlicher Magazinbeuten kühlen besonders schnell ab und mit der sinkenden Temperatur steigt die relative Luftfeuchtigkeit in diesen Bereichen erheblich an. Ist das Heizmanagement der Bienen in diesen Bereichen überfordert, sinkt die Temperatur in den Randbrutzellen. Kann die Bruttemperatur von 35° Celsius dort nicht konstant gehalten werden, kommt es zu Brutschäden und längeren Brutzyklen.
Varroaschale: einfache Kontrolle in der Bienenkugel
Vor jeder Behandlung steht die Diagnose. Mit einer unter die Rähmchen geschobenen Varroaschale lässt sich der natürliche Milbenfall innerhalb von zwei bis drei Tagen leicht erfassen. Die ausgezählten Milben liefern einen wichtigen Hinweis auf den Befallsgrad des Volkes. Als Orientierung gilt auch hier die bekannte Faustregel der Bieneninstitute: Fallen weniger als fünf Milben pro Tag, besteht kein akuter Handlungsbedarf. Bei fünf bis zehn Milben sollte die Entwicklung aufmerksam beobachtet werden. Liegt der tägliche Milbenfall über zehn Milben, erfolgt zeitnahe Behandlung, um Schäden an den Winterbienen zu vermeiden.

Die Varroaschale ist passgenau geformt für den Boden der Bienenkugel. Foto: J. Fritsch

Die Waben leicht anheben und die Schale so unter die Brutwaben schieben, dass sie bündig abschliesst. Dann die zuvor herausgenommenen Waben wieder einhängen. Foto: J. Fritsch
Varroaschale: So zählst du in der Bienenkugel
Die Varroaschale wird unter drei Rähmchen geschoben, nach 2-3 Tagen entnommen und das Gemüll auf ein weißes Papier gestoßen. Mit einer Lupe können die Varroen schnell erkannt und gezählt werden. Der durchschnittliche Befall wird dann über eine Formel auf die volle Wabengröße und -anzahl hochgerechnet.


Mit dieser Formel wird die tatsächliche Belastung im Bienenvolk berechnet. Die Milbenzahl mit der Gesamtzahl der beimkerten Rähmchen und dem Faktor 1,6 multiplizieren. Das Ergebnis wird durch die Anzahl der beprobten Tage und Rähmchen dividiert. Den Faktor 1,6 braucht man, um die gesamte runde Fläche einzubeziehen, da die Schale die Randbereiche nicht einfängt. .
Varroabehandlung: Alle Methoden auch in der Bienenkugel
Grundsätzlich können alle gesetzlich zugelassenen Varroa-Behandlungsmittel nach den offiziellen Gebrauchsanweisungen eingesetzt werden. Da es mittlerweile sehr viele verschiedene Behandlungsmethoden gibt, zeigen wir hier nur beispielhaft die gängigsten und ihren grundsätzlichen Einsatz in der Bienenkugel. Die genaue Anwendungsweise kann in den Beipackzetteln nachgelesen werden.
Ameisensäure
Sowohl der Liebig-Dispenser als auch der Nassenheider Verdunster sind bewährte Applikatoren. Der Hauptunterschied liegt im Verdunstungsprinzip: Beim Liebig-Dispenser tropft die Säure auf ein Papier, während sie beim Nassenheider über einen Vliesdocht gezogen wird. Die Behandlung mit dem Liebig-Dispenser erfolgt meist kurzzeitig (Stoßbehandlung über 3–5 Tage, ggf. eine Wiederholung). Beim Nassenheider wird die Ameisensäure gleichmäßig über längere Zeit, etwa 10-14 Tage, verdunstet. Es soll auch Milben in verdeckelten Brutzellen erreichen. Das kann bei starkem Befall ein Vorteil sein. Allerdings ist die Witterung wichtig. Zu hohe Verdunstungsraten können Bienen und Brut belasten.

Der Liebig-Dispenser kann hinter einem Schied in einen freien Raum auf den Boden der Bienenkugel gelegt werden. Foto: J. Fritsch

Der Nassenheider-Verdunster wird in ein rundes Rähmchen eingepasst und auf einer angebrachten Holzlatte fest verschraubt. Das so vorbereitete Rähmchen wird wie in der Magazinbeute neben die Waben gehängt. Foto: J. Fritsch
Oxalsäure
Immer mehr Imker setzen auf Oxalsäure-Glycerin-Streifen. Seit Mitte 2025 ist in Deutschland das Produkt Calistrip zugelassen. Oxalsäure-Streifen geben den Wirkstoff über mehrere Wochen kontinuierlich ab. Vorteile: Es besteht keine Wartezeit nach dem Abschleudern, die Anwendung ist sehr einfach, und die Außentemperatur spielt kaum eine Rolle. Auch das Träufelverfahren funktioniert in der Bienenkugel wie üblich. Weiter unten im Filmtipp zeigt Jupp von BeeLive, wie es geht.

Oxalsäurestreifen werden auch in der Bienenkugel einfach in die Wabengassen gehängt. Die Anzahl hängt individuell vom Befallsgrad und der Menge an Brutwaben ab. Auch hier nach Herstellerangaben anwenden. Foto: J. Fritsch.
Biotechnische Verfahren
Neben den zugelassenen Arzneimitteln können in der Bienenkugel genau wie in anderen Beutentypen auch, biotechnische Verfahren mit Bannwaben bzw. Königinnenkäfig oder die totale Brutentnahme einen wichtigen Beitrag zur Milbenreduktion leisten.
Königinnenkäfige lassen sich z. B. mit individuell angepassten und eingeschraubten Hilfsleisten aus Holz befestigen und zwischen das Brutnest in die Wabengassen einhängen. Foto: Ehregott Freund.

Welche Methode zum Einsatz kommt, sollte möglichst mit den benachbarten Imkern oder dem örtlichen Imkerverein abgestimmt werden. So lässt sich eine Reinvasion durch Nachbarvölker reduzieren. Unabhängig vom gewählten Verfahren endet die Varroabekämpfung nicht mit dem Entfernen des Verdunsters oder der Streifen. Erst eine wiederholte Erfolgskontrolle zeigt, ob die Milbenbelastung ausreichend gesenkt wurde oder weitere Maßnahmen notwendig sind. Gleichzeitig sollten die Völker jetzt frühzeitig und bedarfsgerecht aufgefüttert werden, damit sie ausreichend Reserven für die Aufzucht kräftiger Winterbienen anlegen können.
Die Monate Juli und August entscheiden damit maßgeblich über den Erfolg des kommenden Bienenjahres. Wer den Varroabefall konsequent überwacht, rechtzeitig behandelt, seine Völker gleichzeitig ausreichend füttert und auf Wabenhygiene achtet, schafft die besten Voraussetzungen für gesunde Winterbienen und starke Bienenvölker im nächsten Frühjahr.
FilmTipp: Bienenkugel 2.0 Varroa Killer 2
Jupp von BeeLive hat unsere Bienenkugel im Einsatz und zeigt, wie er gegen Varroa behandelt: Brutpause mit Käfig und Oxalsäure träufeln.


