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Gut durch den Winter: Spättrachten, Futterkontrolle und Wärmeschiede

vor 5 Stunden
8 Min. Lesezeit


Phacelia ist eine beliebte Zwischenfrucht. Auch Wildbienen, wie die bis in den Oktober fliegende Steinhummel, nutzen die späten Trachten. Foto: Janine Fritsch
Phacelia ist eine beliebte Zwischenfrucht. Auch Wildbienen, wie die bis in den Oktober fliegende Steinhummel, nutzen die späten Trachten. Foto: Janine Fritsch

Das Jahr ist fortgeschritten, wir haben bereits Mitte Oktober. Die Natur zeigt mit Morgennebel, Laubfall und deutlich kühlen Nächten seit einiger Zeit den Spätherbst an. Und unsere Bienenvölker bereiten sich bereits seit Monaten auf den Winter vor. Honigbienen sind eigentlich von Natur aus bestens darauf eingerichtet, die kalte Jahreszeit aus eigener Kraft zu überstehen. Seit Millionen von Jahren haben sie Strategien entwickelt, um auch längere Kälteperioden zu überleben. Zusammen mit Ameisen sind sie sogar die einzigen Insekten, die einen Wintervorrat für das ganz Volk anlegen.


Doch die Umweltbedingungen verändern sich immer wieder. Dieses Jahr hat uns ein ungewöhnlich heißer, langer und trockener Sommer, laue und späte Abende auf der Terrasse beschert – und dann kamen noch ungewöhnlich milde Herbstmonate. Doch für die Bienen bedeutete es zeitweise ein unzureichendes Nektarangebot und gerade bei Magazinbeuten viel Energieaufwand, bei Tageshitze das Beuteninnere zu kühlen. Das stellte die Bienen vor zusätzliche Herausforderungen.


Wärmedämmung ist auch Hitzeschutz: Die Bienenkugel spart Energie, Futter und Stress


Für uns Imker bedeuten die Veränderungen: Nicht viel eingreifen, sondern beobachten und zur richtigen Zeit das Richtige tun. Gerade bei der Bienenkugel steht dieser Gedanke im Mittelpunkt. Mit der runden und gut isolierten Bauweise helfen wir als allererstes den Bienen, ihren Wärmehaushalt mit möglichst geringem Energieaufwand zu regulieren. Das funktioniert nicht nur als Schutz im Winter gegen Kälte, sondern im Sommer auch gegen Hitze. Bei Kälte reduzieren wir damit Stress und Energiebedarf fürs Heizen und im Sommer für das Kühlen von Brut und Wachs.


Winterbienen: Die Basis für eine gute Frühjahrsentwicklung

Unsere Aufgabe vor dem Winter besteht jetzt vor allem darin, die Entwicklung unserer Völker zu beobachten, Wärmeschiede einzusetzen, die Futtervorräte noch einmal zu kontrollieren und bei Bedarf einzugreifen. Auch der Mäuseschutz kann bald angebracht werden. Besonders wichtig ist jetzt die Generation der Winterbienen, die etwa seit August schlüpft und bis zum Frühjahr überleben soll. Ihr gut entwickelter Fettkörper und Eiweißreserven sind entscheidend, dass das Volk die kalte Jahreszeit übersteht und diese Winterbienen im Frühjahr die neue Brut versorgen kann. Dafür brauchen die Bienen im Spätsommer und Herbst hochwertigen, möglichst vielfältigen Pollen..


Fluch oder Segen? Wenn im Oktober und November die Felder blühen


Immer wieder überraschend erscheint der Anblick, der uns jetzt vielerorts begegnet: Während die Natur eigentlich zur Ruhe kommt, stehen ganze Felder mit Zwischenfrüchten wieder in voller Blüte. Gelber Senf, violette Phacelia und weißer Buchweizen verwandeln die Landschaft seit einigen Jahren verstärkt im Herbst noch einmal in ein Blütenmeer. Seit der EU-Agrarreform 2015 („Greening“) und speziellen Förderprogrammen wurde der Anbau von artenreichen, blühenden Zwischenfrüchten stark forciert. Auch Sonnenblumen und Kleearten gehören dazu.


Zwischenfrüchte werden von Landwirten nicht in erster Linie als Bienenweide ausgesät, sondern zur Bodenverbesserung: Sie bedecken den Boden, schützen vor Erosion und Austrocknung und unterdrücken unerwünschten Pflanzenbewuchs, sie nehmen insbesondere Stickstoff auf und reichern es im Boden an und sie fördern das Bodenleben, unterstützen den Humusaufbau und verbessern die Voraussetzungen für nachfolgende Kulturen.


Bienen sind gierig: Was Imker befürchten

Was auf den ersten Blick als Blütenmeer im Herbst wie ein Geschenk für die Bienen aussieht, wird allerdings unter Imkern kontrovers diskutiert. Denn eigentlich sollte das Bienenvolk zu diesem Zeitpunkt in unseren Breiten seine Brutaktivität allmählich zurückfahren, die Wintervorräte ordnen und sich auf die kommenden kalten Monate einstellen, während mit den Zwischenfrüchten nun wieder ein großes Nektar- und Pollenangebot diese Entwicklung beeinflusst.


Bei günstigen Temperaturen fliegen die Bienen also weiterhin aus und sammeln an Nektar und Pollen so viel sie bekommen können. Hält das milde Wetter lange an und sind genügend Nahrungsquellen vorhanden, wird auch die Bruttätigkeit länger aufrechterhalten und Imker haben Sorge, dass die Winterbienen durch intensive Flug- und Sammelaktivität stärker beansprucht werden. Zusätzliche Brut erfordert Energie und Pflegearbeit, Pollen und frischer Nektar können freie Zellen im Brutnest belegen und den Platz für die Eiablage einschränken. Später eingetragener Nektar muss verarbeitet und getrocknet werden. Eine länger anhaltende Bruttätigkeit kann auch den Varroabefall wieder erhöhen, weil sich in mehr Brut auch mehr Milben vermehren können.


Eine späte Blüte allein ist zunächst noch kein Grund zur Sorge. Entscheidend ist die Menge des Trachtangebots, die Temperaturen, die Volksstärke und der Zustand des Bienenvolkes: Die Situation ist wie immer differenziert zu betrachten.


Was sagt die Wissenschaft zu dem späten Blühangebot?

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim untersuchte 2021 Auswirkungen später Trachten auf die Überwinterung, fand aber kein Verhonigen der Brutnester oder verlängerte Bruttätigkeit durch Polleneintrag. Während fünf von sechs Kontrollvölkern im Oktober nachgefüttert werden mussten, benötigten die Völker an den Spättrachten kein zusätzliches Futter. Die Ergebnisse stammen allerdings aus einem Zwischenbericht und lassen sich nicht uneingeschränkt verallgemeinern.


In Frankreich fanden die Forschungseinrichtungen INRA, ACTA und ITSAP im Jahr 2017, dass Bienenvölker bei geeigneten Herbsttrachten von einer besseren Pollenversorgung sogar profitieren können. Die untersuchten Benen verfügten über besser entwickelte Fettkörper und höhere Mengen des Speicherproteins Vitellogenin, was bei langlebige Winterbienen mit deutlich besseren Überwinterungschancen verbunden ist.


Auch eine 2025 veröffentlichte europaweite Untersuchung zeigte, dass die Vielfalt der Pollenquellen im Frühjahr und Herbst in mit einer höheren Überwinterungswahrscheinlichkeit stand. Nach einem trockenen, trachtarmen Sommer können blühende Zwischenfrüchte durchaus noch einen wertvollen Beitrag zur Ernährung leisten.


Dennoch weist selbst die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen darauf hin, dass vor allem sehr spät blühende Sorten die Vorbereitung der Bienenvölker auf den Winter beeinträchtigen können und dass deshalb bei der Pflanzenauswahl auch imkerliche Interessen berücksichtigt werden müssen, wie etwa der Blühzeitpunkt.


Unser Fazit und Kritik: Zwischenfrüchte sind sicher nicht grundsätzlich ein Fluch noch uneingeschränkt ein Segen. Wertvoll sind vielfältige Blütenangebote im Spätsommer und frühen Herbst. Problematisch sehen wir sehr späte und intensive Trachten werden, wenn sie mit langanhaltend milden Temperaturen zusammentreffen. Die entscheidende Frage lautet für uns weniger, ob blühende Zwischenfrüchte wie Gelbsenf oder Phacelia gut oder schlecht für Bienen sind, sondern wann, wie lange und unter welchen Witterungsbedingungen sie blühen und in welchem Zustand ein Bienenvolk ist. Nichtsdestotrotz helfen diese Spättrachten auch nicht dem Problem der langen Trachtlücken im Juni und Juli ab, die es in der traditionellen Landwirtschaft in Deutschland früher überhaupt nicht gab.


Wir wünschen uns, dass Landwirtschaft und Imkerei wieder intensiver zusammenarbeiten und sich abstimmen. Und dass Landwirte wieder selbst Bienen halten, so wie es früher auf jedem Hof üblich war. Bauern, die selbst imkern, wissen genau, was Honigbienen wann brauchen und können Saatzeitpunkte, Sortenwahl und Blühdauer darauf abstimmen. Noch besser sind gezielte Mischkulturen, Bei- und Untersaaten. So profitieren sie von zusätzlichen Ernten wie mit Lein und Kornblume und haben mit dem Honig ein weiteres Produkt anzubieten. Es wäre eine Win-Win-Situation. Insgesamt brauchen wir jedoch wieder ein ganzjähriges Blühangebot in der Landwirtschaft. In der traditionelle Agrarlandschaft, die bei uns bis etwa 1950 bestand, mit kleinen Feldern, unterschiedliche Fruchtfolgen, blütenreichen Wiesen, Feldrainen und Ackerwildkräutern wie Kornblume, Klatschmohn und Kamille gab es eine kontinuierliche Trachtkette, die ein vielfältiges Nahrungsangebot für alle Insekten bot. Das Einfüttern mit Zucker war damals gar nicht nötig.


Auch in dieser Hinsicht punktet die Bienenkugel: Sie kann Trachtlücken wie späte Massentrachten in gewisser Weise etwas abpuffern. Sie unterstützt den Energiehaushalt der Bienen enorm. Die runde Bauweise, gute Wärmedämmung und gezielte Abführung von Feuchtigkeit reduziert Wärmeverluste, spart Energie fürs Kühlen und unterstützt die Honigtrocknung auch bei noch spät eingetragenem Nektar. Nach den bisherigen Praxiserfahrungen verbrauchen Bienenkugel-Völker nur etwa die Hälfte der Futtermenge im Vergleich zu klassischen Magazinbeuten. Die einfache Erweiterungsmöglichkeit mit ausgebauten Waben zur Seite, ohne den vorhandenen – und zu wärmenden – Raum zu vergrößern kommt bei spätem Nektarangebot hinzu.


Was ist im Oktober noch zu tun?

Die eigentliche Einfütterung sollte seit September abgeschlossen sein. Jetzt geht es vor allem darum, den Zustand der Völker abschließend zu beurteilen und zu kontrollieren, ob die Wärmedämmung überall eingelegt ist.


Futtervorrat

Im Zweifelsfall wiegen, wenn das Einschätzen unklar ist. Foto: Janine Fritsch
Im Zweifelsfall wiegen, wenn das Einschätzen unklar ist. Foto: Janine Fritsch

Reichen die Vorräte bis zum Frühjahr? Bei Mangel muss rechtzeitig reagiert werden. Flüssigfutter wird mit sinkenden Temperaturen zunehmend schlechter abgenommen und verarbeitet. Bei der Bienenkugel gelten aber andere Futtermengen als bei klassischen Magazinbeuten: Faustregel für die Bienenkugel zur Nachkontrolle: Pro besetztem Rundrahmen rechnen wir mit etwa 1 bis 1,5 Kilogramm eingelagertem Winterfutter. Ein Volk mit sechs besetzten Rundrahmen sollte ungefähr sechs bis neun Kilogramm Futtervorrat besitzen. Wichtig: Nicht die eingefütterte Menge zählt, sondern der tatsächlich vorhandene Vorrat in den Waben. Wer unsicher ist, kann auch jetzt nochmal wiegen.


Brutnest

Achtung bei später Tracht! Auch bei einem Zuviel an Futter muss reagiert werden. Hat die Königin noch genug Platz oder wird das Brutnest durch übermäßige Futtereinlagerung eingeengt? Werden jetzt noch größere Mengen Nektar eingetragen, lohnt sich bei entsprechend warmer Witterung ein genauer Blick auf die Brutnestanordnung: Die Bienen lagern frischen Nektar bevorzugt dort ein, wo freie Zellen zur Verfügung stehen. Bei starkem Eintrag können so auch Zellen innerhalb des bisherigen Brutnestes belegt werden. Ein kleiner werdendes Brutnest gehört im Herbst zur natürlichen Volksentwicklung. Problematisch wird es nur, wenn ein Volk noch deutlich brütet, aber kaum freie Zellen für die Eiablage verbleiben. Tipp zur Vorsorge: Ein bis zwei ausgebaut Rähmchen als Reserve hinter dem Schied gelagert, kann bei plötzlicher Massentracht schnell ans Volk umgehängt werden. Mittelwände nützen nichts, da die Bienen um diese Jahreszeit nicht mehr ausbauen.


Die Bienenkugel bietet seitlich Platz zum Erweitern, ohne den Raum insgesamt zu vergrößern. Foto: Janine Fritsch
Die Bienenkugel bietet seitlich Platz zum Erweitern, ohne den Raum insgesamt zu vergrößern. Foto: Janine Fritsch

Varroa

Ist der Befall ausreichend niedrig? Gerade die Winterbienen müssen möglichst gesund und wenig durch Varroa und übertragene Viren belastet sein. Eine spätere Restentmilbung ersetzt nicht die rechtzeitige Bekämpfung im Sommer und Herbst. Im Zweifel aber noch einmal die Varroaschale unter das Brutnest einsetzen und behandeln.


Wärmeschiede


Sind links und rechts der Wintertraube die Wärmeschiede mit Abstand zur Seitenwand für die Luftzirkulation eingesetzt? Wer noch Schiede ohne Abstandshalter hat, achtet auf ein bis zwei Zentimeter Luft zur Wand. Bei den neueren Modellen werden in vorbereitete Löcher mit spezifischer Tiefe Dübel eingesetzt, die ausreichenden Abstand sichern. (Link zum Shop)






Mäusegitter

Sind die Fluglöcher geschützt? Das neue Modell unseres Trompetenflugloches, hat eine Vorrichtung zum passgenauen Einschieben eines runden Metallgitters. (Link zum Shop)




Unser Grundsatz: So viel Natur wie möglich, so viel Eingriff wie nötig

Bienen sind hervorragend an den Wechsel der Jahreszeiten angepasst. Sie wissen, wie sie Brutflächen verkleinern, Vorräte einlagern und sich zu einer Wintertraube zusammenschließen. Nicht jeder späte Pollenflug ist ein Warnsignal, nicht jede zusätzliche Blüte eine Gefahr. Und nicht jedes Volk braucht im Herbst noch eine Futtergabe.


Gerade die Bienenkugel bietet gute Voraussetzungen, um die natürlichen Abläufe im Volk zu unterstützen. Entscheidend ist dabei die innere Bauform der Beute ohne kalte Ecken, die guten und feuchtigkeitsaufnehmenden Dämmung sowie den Belüftungsstutzen, die Feuchtigkeit und das Atemgas CO2 abführen. Dies unterstützt das wichtige Zusammenspiel aus gesunden Winterbienen, ausreichenden und erreichbaren Futterreserven und geringem Varroabefall. Unser Ziel ist nicht, den Bienen jeden Arbeitsschritt abzunehmen. Wir wollen vielmehr die Bedingungen schaffen, unter denen sie möglichst selbst alles regeln können, so wie sie es seit Jahrtausenden tun – auch in einer durch den Menschen stark veränderten Umwelt.


In diesem Sinne wünschen wir euch gesunde Winterbienen und einen guten Start in die Winterzeit.

Mit imkerlichen Grüßen

Euer Bienenkugel-Team


 

Quellen zur Spättracht

1. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Spättrachten im Versuch

Das Institut für Bienenkunde und Imkerei der LWG in Veitshöchheim untersuchte 2019-2022 die Auswirkungen später Trachten auf die Ein- und Überwinterung von Bienenvölkern. Der Zwischenbericht von 2021 stellte kein Verhonigen der Brutnester oder verstärkter oder verlängerter Bruttätigkeit fest. Alle untersuchten Völker überwinterten erfolgreich. Die Ergebnisse aus den ersten Versuchsjahren sind kein Nachweis, dass jede Spättracht unproblematisch ist. Sie widersprechen aber der pauschalen Annahme, dass spät blühender Senf oder Phacelia zwangsläufig die Winterbienen schädigen.

2. Französische Untersuchung von 2017: Herbsttrachten können Überwinterung verbessern

Das nationale Forschungsinstitut für Landwirtschaft INRA, gemeinsam mit dem landwirtschaftlichen Verband ACTA und dem französischen Bieneninstitut ITSAP konnten zeigen, dass blühende Zwischenfrüchte die physiologischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Überwinterung verbessern können. Entscheidend war unter anderem die Bildung von Vitellogenin, einem Speicherprotein langlebiger Winterbienen.

3. Journal of Applied Ecology (2025): Pollenvielfalt verbessert die Überwinterung

Eine europaweite Studie stellte fest, dass eine höhere Pollenvielfalt im Frühjahr und Herbst signifikant mit besseren Überwinterungschancen verbunden war. Das spricht für artenreiche Zwischenfruchtmischungen statt großflächiger Monokulturen.

4. Landwirtschaftskammer NRW: Fachberater sehen Risiken

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen weist dennoch darauf hin, dass spät blühende Zwischenfrüchte die Wintervorbereitung der Bienenvölker beeinträchtigen könnten. Sie empfiehlt, Blühzeitpunkt und Sortenwahl entsprechend auf die Winterruhe der Bienen abzustimmen.

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